Exchange Server 2010: Was ist neu ?

Exchange 2010
Seit dem 09. November ist der neue „Microsoft Exchange Server 2010“ offiziell freigegeben.
So stellte sich also die Frage, welche Änderungen uns in der neuen Version erwarten und ob sich ein Upgrade lohnen kann.

Leider sind mir die offiziellen Seiten von Microsoft zu diesem Thema etwas zu „marketing-lastig“ – also habe ich mir das Produkt dann selbst intensiv angesehen.

So möchte ich im folgenden Beitrag einmal die wichtigsten Neuerungen dieser Version vorstellen und dabei hervorheben, worauf man achten sollte.

Davor soll aber mit einem kleinen Ausflug in die Vergangenheit die Entwicklung des Microsoft-Exchange-Servers beleuchtet werden…

Zunächst sollte man sich eine grundlegende Veränderung von „Exchange 2003“ nach „Exchange 2007“ in Erinnerung rufen.

Zunächst aber ein Blick zurück…

Exchange 2007: Einführung des Rollenmodells

Hier gab es den Wechsel vom starren Server-Modell, bei dem jeder Exchange-Host alle (Kern-)Dienste zur Verfügung stellte, zum rollenbasierten Modell, wo alle Aufgaben, die ein Exchange-System leisten muss, modular auf verschiedene Server verteilt werden können:

Exchange Rollenmodell

Trotz dieser größeren Flexibilität, die durch das Rollenmodell eingeführt wurde, gab es auch in „Exchange Server 2007“ immer noch eine recht starre Beziehung zwischen dem Host, den Speichergruppen und den darin enthaltenen Datenbanken.

Entwicklung der Exchange-Datenbanken

Seit „Exchange 2003“ wurde zumindest der zur Verfügung stehende Speicherplatz in den Exchange-Datenbanken immer wieder schrittweise angepaßt und die Möglichkeiten, die Umgebung redundant / ausfallsicher zu halten, wurden verbessert:

Exchange 2003

Version DB-Größe Speichergruppen Ausfallsicherheit
Standard 16 GB (bis SP1)
75 GB (ab SP2)
max. 1 Speichergruppe mit insgesamt 2 Datenbanken NEIN
Enterprise 8 TB max. 5 Speichergruppen mit max. je 4 Datenbanken Windows-Cluster (SAN erforderlich!)

 
Exchange 2007

Version DB-Größe Speichergruppen Ausfallsicherheit
Standard 16 TB max. 5 Speichergruppen mit insgesamt 5 Datenbanken LCR (LOKALE Kopie)
Enterprise 16 TB max. 50 Speichergruppen mit insgesamt 50 Datenbanken LCR (LOKALE Kopie),
CCR (Windows-Cluster),
SCR (Standby-Kopie; ab SP1); hoher manueller Aufwand beim Failover!

 
Exchange 2003/2007: Begrenzte Ausfallsicherheit

Die Verfügbarkeit von e-Mail-Systemen hat in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung zugenommen. In vielen Firmen kommt ein Ausfall des Mailsystems schon einem „Quasi-Produktionsstillstand“ des Unternehmens gleich.
Die Möglichkeiten, unter Exchange eine Hochverfügbarkeitslösung zu realisieren, war dabei immer mit der Investition in teure Storage-Systeme (SAN) verbunden und setzte auf der Seite der Administratoren entsprechendes Know-How zum Thema „MS Clustering“ voraus.

Darüber hinaus galt die Empfehlung von Microsoft, die Mailboxen auf verschiedene Storage-Groups zu verteilen und diese Speichergruppen dann auf unterschiedlichen RAID-Systemen (sogar mit separaten Controllern) abzuspeichern.

Außerdem setzte Microsoft voraus, dass schnelle Festplatten (SCSI / SAS) mit entsprechend performanten Controllern im Einsatz waren, damit die hohe Zahl an Lese- und Schreibvorgängen auf den Datenbanken in entsprechend kurzer Zeit durchführbar war.

Bis einschließlich „Exchange 2000“ war bei einem Defekt einer Datenbank oder dem Verlust einzelner Mails auch immer ein Wiederherstellen der kompletten DB auf einem Recovery-Server oder der temporäre Komplettstillstand des Mailings erforderlich, falls auf den Original-Server zurückgespielt werden mußte.

Mit Einführung der „Recovery Storage Group“ (RSG) in „Exchange 2003“ war es immerhin möglich, die Anwender im Desaster-Fall auf einem „leeren“ Server arbeiten zu lassen, wo zumindest alle neuen e-Mails eintrudeln konnten.
Im Hintergrund war es dann möglich, die ehemalige Datenbank aus einem Online-Backup in die RSG zurückzusichern und dann schrittweise mit der (fast) „leeren“ Übergangs-Datenbank zusammenzuführen.

Letztendlich gibt es also die Erkenntnis, dass eine echte Hochverfügbarkeit bisher nur mit teuren Drittprodukten (Replikations-Software) und / oder dem Einsatz teurer Hardware (gespiegeltes SAN, etc…) möglich war.

Exchange 2007: Einführung des „Unified Messaging“ (UM)

Bis zur Version 2003 war Exchange mehr oder weniger „nur“ ein elektronischer Briefträger, mit der Version „Exchange Server 2007“ wurden dann die so genannten „Unified Messaging“-Funktionen integriert – bisher musste man dazu auf andere Anbieter wie z.B. „Tobit“ ausweichen.

Kurz gesagt, kann ein Exchange Server 2007 als VoIP-Gerät („Voice over IP“) arbeiten und über ein UM-Gateway an eine TK-Anlage angeschlossen werden. Über diesen Weg kann ein Benutzer dann sein „Postfach anrufen“ und sich neue e-Mails oder von einem Anrufer hinterlassene Nachrichten vorlesen lassen.

Darüber hinaus ist der Empfang von Fax-Dokumenten möglich, die dann im Exchange-Postfach der jeweiligen Mitarbeiter landen.

 

…OK, aber was erwartet uns jetzt mit „Exchange Server 2010“ ?

Zunächst die wichtigsten Neuerungen in Kurzform:

  • Ausrichtung auf „Exchange Online Services“ (Hosting)
  • einheitliche Hochverfügbarkeit und Disaster Recovery
  • rollenbasierte Administration und Benutzer-Self-Service
  • Optimierung der Zugriffe auf die Storage-Systeme (Reduktion von 90 Prozent gegenüber „Exchange 2003“)
  • flexible Verteilung der Postfach-Datenbanken auf alle Mailbox-Server durch Einführung der „Database Availability Group“ (DAG)
  • Support für Safari und Firefox beim Web-Zugriff
  • kompakte Darstellung aller zusammenhängenden e-Mails im Posteingang („Unterhaltungsansicht“)
  • automatische Übersetzung von Sprachnachrichten in e-Mails
  • Online-Archiv-Funktion für die Anwender; zentrale Steuerung der Archivierung durch den Administrator
  • Text-Suchfunktion über mehrere Postfächer
  • Prüfung der „Gültigkeit“ / Compliance von e-Mails VOR dem Versenden („Mail Tips“)

 

…und was heißt das jetzt konkret ?

Jetzt also nochmal die Neuerungen im Detail:

NEU: Ausrichtung auf “Exchange Online Services” (Hosting)

Microsoft unterscheidet inzwischen bei Exchange-Installationen zwischen “OnPremise-Servern” (= vor Ort beim Kunden) und “OnLine-Servern” (= “Hosted Exchange” in einem Rechenzentrum).

So soll also der Trend des “Cloud Computings” auch bei Microsoft Einzug halten.
Zur Unterstützung der “Hosted Exchange”-Installationen dient in erster Linie die neue Möglichkeit, verschiedene Administrator-Gruppen zu definieren, die nur in ganz bestimmten Bereichen der Umgebung Änderungen durchführen können.

Es wird also mit “Exchange Server 2010″ eine Art “mandantenfähigkeit” eingeführt.

NEU: Einheitliche Hochverfügbarkeit und Disaster Recovery („Bye, bye Speichergruppe“…)

Mit dem „Exchange Server 2010“ verabschiedet sich Microsoft nun endgültig von der guten alten „Speichergruppe“!

Durch das neue Feature „Database Availability Group“ (DAG) wird eine komplette Trennung zwischen den Postfach-Servern und den Datenbanken vollzogen.
Eine Exchange-Datenbank ist immer auf genau EINEM Knoten aktiv und kann gleichzeitig an mehrere andere Postfach-Server repliziert werden.
Der so genannte „Active Manager“ hat immer die Information, welche Datenbank auf welchem Knoten aktiv geschaltet ist, und leitet die Benutzer, die über die CAS-Server zugreifen, dementsprechend um.

Im Hintergrund werkeln hier die bekannten „Microsoft Cluster Services“ (MSCS).

Die erste Konsequenz daraus ist: das DAG-Feature funktioniert nur dann, wenn unter der Haube ein „Windows Server 2008 Enterprise“ installiert ist !

ABER: Sie müssen trotzdem vor dem Exchange-Setup KEINEN Microsoft-Cluster konfigurieren und administrieren. Sämtliche Failover-Funktionen werden über die „Exchange Management Console“ (EMC) oder die PowerShell verwaltet.

Administratives Know-How über Cluster-Technik ist NICHT erforderlich !

Folgende beiden Abbildungen verdeutlichen die Funktionsweise der „Database Availability Groups“:

Database Availability Groups

Falls nun der Postfach-Server 1 durch eine Fehlfunktion seinen Dienst einstellt, schaltet der „Active Manager“ (lt. Microsoft in einem Zeitraum von bis zu 30 Sekunden) die Kopie der Datenbank 1 (DB1) auf dem zweiten Postfach-Server online, und der Benutzer „User 1“ wird mit der neuen aktiven Datenbank verbunden:

Database Availability Groups

 
Eine DAG kann unter „Exchange 2010“ maximal 16 Server umfassen, auf jedem Server können dabei bis zu 100 Datenbanken gespeichert werden.
Außerdem kann jede DB an mehrere Mitglieder der DAG gleichzeitig repliziert werden – der Administrator kann dies nach eigenen Vorstellungen konfigurieren.

Für die Replikation kann ein dediziertes LAN konfiguriert werden, über das dann exklusiv der Replikations-Traffic läuft; auch diese Funktion kann über die Exchange-Management-Konsole verwaltet werden.

NEU: Unterstützung von „Low-Budget“ Hard-Disks (S-ATA)

Durch die massive Reduktion notwendiger I/O-Operationen auf den Datenbanken (90 Prozent Ersparnis gegenüber Exchange 2000) unterstützt Microsoft jetzt ganz offiziell auch die Speicherung der DBs auf „günstigen“ S-ATA-Arrays.

Hier wird der Tatsache Rechnung getragen, dass Benutzer-Postfächer immer, immer größer werden und ein ausreichender Plattenplatz im teuren SAN fast nicht mehr finanzierbar ist.
Microsoft geht für „Exchange 2010“ von einer Standard-Postfachgröße von 10 GB aus.

 
NEU: „Outlook Web Access“ war gestern; es lebe „Outlook Web App„…

Outlook Web App

Durch diese (kleine) Umbenennung will Microsoft sicherlich dokumentieren, dass Outlook inzwischen eine „erwachsene“ Web-Applikation darstellt…
Zumindest bleibt es bei der bekannten Abkürzung „OWA“.

Aber das ist nicht alles. Microsoft hat der OWA-Weboberfläche einige neue Funktionen spendiert:

  • Unterhaltungsansicht
  • selbständiges Beitreten zu Verteilerlisten
  • Freigabe der Frei/Gebucht-Zeiten (Kalender) für EXTERNE Kontakte
  • selbständiges Ändern der eigenen Kontaktdaten durch den Benutzer

[…] Dieser Artikel wird in Kürze fortgesetzt!

Ein Gedanke zu „Exchange Server 2010: Was ist neu ?

  1. Hallo,

    herzlichen Dank für diese kurze und gute Zusammenfassung. Wir haben bei Testinstallationen noch festgestellt, dass eine Anb´ndung an das IPhone viel performanter geworden ist.

    Gute Zusamnnenfassung.

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